Die Netzhaut macht Gefäße und Nervengewebe ohne invasiven Eingriff sichtbar. Forschende passten das Bild-Grundmodell RETFound an, um aus Farbfotos des Augenhintergrunds das chronologische Alter zu schätzen. Bei 71.343 Personen der UK Biobank betrug der mittlere absolute Fehler 2,85 Jahre.
Die Differenz zwischen geschätztem und tatsächlichem Alter — der retinal age gap — hing mit kardiometabolischen Merkmalen, Entzündung, Kognition, Gesamtsterblichkeit, Demenz, Krebs und neu auftretenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen zusammen. Genetische Analysen verwiesen auf Wege rund um Langlebigkeit, Stoffwechsel, Neurodegeneration und altersbedingte Augenkrankheiten.
Dabei zeigten sich unterschiedliche Muster nach Geschlecht: Bei Männern waren Verbindungen zum metabolischen Syndrom stärker, bei Frauen wiesen Modellaufmerksamkeit und Genetik stärker auf Netzhautgefäße. Nach der Menopause ähnelten manche Zusammenhänge eher denen der Männer. Es bleiben statistische Beziehungen in Beobachtungsdaten; ein individueller Wert ist keine Prognose der Lebensdauer.
Bestätigt sich der Marker in verschiedenen Bevölkerungen und Kamerasystemen, könnten routinemäßige Augenaufnahmen später ein günstiges Signal für gezieltere Prävention liefern. Realistisch wäre eine Triage: Menschen für genauere Herz-, Stoffwechsel- oder Kognitionsuntersuchungen auswählen, nicht aus einem Foto eine Diagnose stellen.
Erforderlich sind prospektive externe Validierung, Verzerrungstests nach Herkunft, Alter und Bildqualität, Vergleiche mit üblichen Risikoscores und der Nachweis eines besseren Versorgungsergebnisses. Optimistisch sind Validierungspiloten in 2–4 Jahren und begrenzte klinische Triage in 5–8 Jahren denkbar. Ein flächendeckendes Screening ist nicht datierbar.

Eröffnen Sie die Diskussion mit dem ersten Kommentar.